Exerzitien = Übungen im Alltag

“Übung macht den Meister”
Das ist ein Satz, der für fast alles, was man im Leben tut, seine Gültigkeit hat.
Etwas nur einmal zu tun, ist meistens mühsam, weil die Handgriffe nicht sitzen, weil das Geschick fehlt. Und das Ergebnis schaut oft auch so aus.
Je öfter man etwas tut, desto leichter fällt es meistens. Und sobald das Grundlegende sitzt, kann man verfeinern, verbessern, verschönern, richtig etwas draus machen.

Das gilt auch für den Umgang mit der eigenen Persönlichkeit oder Seele, für den Umgang mit den eigenen Ausgangspunkten und Zielen fürs Leben.
Und beim eigenen Glauben ist es auch nicht anders.

“Exerzitien” sind schlicht das, was das Wort bedeutet: Übungen.
Wie jede gute Übung folgen sie einer gewissen Anleitung oder werden begleitet.
Je nachdem, wann wo und wie man etwas üben möchte, schaut das Übungsprogramm unterschiedlich aus.
Was wir hier anregen und anbieten, sind “Exerzitien im Alltag” – und zwar in einer kleinen, leichten Form für einen ersten Einstieg und besonders gedacht für Studierende (was natürlich nicht bedeutet, dass nicht auch jeder andere daran teilnehmen kann).
Übungen im Alltag macht jede/r für sich, zu seiner/ihrer Zeit und an seinem/ihrem Ort (siehe unten). Wir bieten hierfür ein paar grundlegende Anstöße für die eigenen Übungen.
Weil bei solchen Übungen auch Themen und Fragen auftauchen können, die man nicht mehr alleine bearbeiten möchte oder kann, stehen Karl-Heinz Lehner und Michael Schlierbach von der Hochschulgemeinde zur persönlichen Begleitung zur Verfügung.
Nicht anders als im Sport, bei der Arbeit oder z.B. beim Musizieren, kann man außerdem von den Erfahrungen der anderen und vom Austausch profitieren. Deshalb gehört zu den Exerzitien im Alltag auch das Angebot, sich in der Gruppe der Teilnehmenden zu treffen und auszutauschen.

Der "Übungsraum"

Für die Übungen musst du dir im Alltag einen gewissen ‘Raum’ (was Zeit und Ort angeht) schaffen.

Einen einen geeigneten Zeitpunkt finden und dabei bleiben:

  • Es ist sinnvoll, einen täglichen Platz dafür zu finden – wenn das schlecht geht, dann zumindest jeden zweiten Tag.
  • Jede/r hat dabei die eigene Tageszeit, die dafür geeignet ist – je nachdem, wann es am Tag ruhig oder hektisch ist, welche Aufgaben und Herausforderungen davor oder danach liegen.
  • 15 bis 20 Minuten sollten es sein.
  • Ein fester Rhythmus ist meistens hilfreich, denn dann hilft die Gewohnheit, bei der man irgendwann nicht mehr groß planen oder rechnen muss.

Einen geeigneten Ort finden und dabei bleiben:

  • du solltest dort ungestört und unbeobachtet sein, ganz für dich (bei Bedarf vielleicht auch mit einem Schild “bitte nicht stören”)
  • es sollte ein Ort sein, an dem du wirklich zur Ruhe kommen kannst
  • du solltest dich dort wohlfühlen
  • manchmal gehört auch etwas für den Gaumen dazu: Ein Glas Wasser, eine Tasse Tee oder Kaffee usw.
  • das gilt auch für die Körperhaltung: z.B. eine passende bequeme Sitzgelegenheit, um entspannt, wach und offen sein zu können
  • manchmal ist es auch hilfreich, sich diesen Ort schön einzurichten (Bild, Pflanze/Blume, Symbol)
  • wer zuhause keinen Ort findet: Die meisten Kirchen sind offen und zu bestimmten Tageszeiten gut geeignet, um 20 Minuten ruhig und konzentriert darin sein zu können

Diesen Raum frei halten:

  • du solltest das Telefon ab- oder wegstellen und dich entscheiden, für diese Zeit nicht anzuheben
  • Mitbewohner sollten wissen, dass sie dich nicht stören sollen.
  • was du brauchen könntest, sollte griffbereit liegen (z.B. Zettel und Stift für Notizen, Taschentücher)
  • lieber einen Wecker/Timer stellen, als ständig auf die Uhr schauen müssen. Uhren am besten aus dem Blickfeld verbannen.

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